Canmore, Banff und Lake Louise

Die nächste Station war für uns die kleine Stadt Canmore. Sie liegt etwa 15 Fahrminuten südlich von Banff und ist bei vielen Reisenden beliebt, weil die Unterkünfte hier deutlich günstiger sind als direkt im Nationalpark. Teuer ist es zwar immer noch, aber im Vergleich zu Banff fast schon ein Schnäppchen.

Wir hatten die Rocky Mountain Ski Lodge gebucht. Gegen Mittag kamen wir an und konnten zumindest schon unsere Koffer abstellen. Das war praktisch, denn für den Nachmittag hatten wir bereits eine River-Float-Tour bei Canmore River Adventures gebucht (ca. 35 €).

Wir fuhren nur ein kleines Stück zum Treffpunkt am Bow River, warteten auf die anderen Teilnehmer und bekamen eine kurze Einweisung. Dann wurden die Schlauchboote ins Wasser gelassen.

Die Tour war ganz entspannt. Gemütlich trieben wir flussabwärts, während unser Guide viel über die Umgebung, die Tierwelt und die Geschichte der Region erzählte. Ein bisschen mussten wir mitrudern, aber das meiste erledigte die Strömung für uns. So konnten wir einfach die Natur genießen.
Zwischendurch entdeckten wir sogar einen Weißkopfseeadler – ziemlich cool, den mal in freier Wildbahn zu sehen.

Nach gut einer Stunde war die Fahrt vorbei und wir wurden mit kleinen Bussen zurückgebracht. Insgesamt eine richtig schöne, entspannte Tour – genau das Richtige zum Ankommen in den Rockies.

Danach konnten wir endlich im Hotel einchecken. Wir hatten ein kleines Apartment mit Schlafzimmer, Küche und Wohnzimmer. Vom Erdgeschoss aus führte eine Tür direkt nach draußen auf einen Grünstreifen, auf dem ständig kleine Hörnchen herumhüpften – besser als jedes Fernsehprogramm.

Banff & Sonnenuntergang auf dem Sulphur Mountain

Anschließend erledigten wir noch schnell den Einkauf für die nächsten Tage und fuhren dann nach Banff. Über Banff Jasper Collection hatten wir vorab ein größeres Ausflugspaket gebucht: Gondelfahrt auf den Sulphur Mountain, Bootsfahrten auf dem Lake Minnewanka und dem Maligne Lake sowie eine Gletschertour.

Für diesen Abend stand die Banff Gondola an. Wir hatten bewusst eine späte Auffahrt gewählt – einerseits wegen der River-Tour, andererseits für die Abendstimmung. Und das war eine sehr gute Entscheidung.

Wir konnten direkt an der Talstation parken, es gab keinerlei Warteschlangen, und auch oben war kaum noch etwas los. Über Holzstege liefen wir entspannt auf dem Gipfelgrat entlang bis ganz nach oben. Die Aussicht über Banff, das Bow Valley und die umliegenden Berge war wunderschön – wenn auch leicht rauchig durch die Waldbrände rund um Jasper National Park. Leider sollte uns dieser Dunst die nächsten Tage noch begleiten.

Wir machten Fotos in alle Richtungen, genossen die Ruhe und stöberten anschließend noch durch den großen Souvenirladen, bevor es wieder nach unten ging.

Hungrig fuhren wir anschließend in den Ort. Am Bahnhof gibt es einen großen kostenlosen Parkplatz, von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß ins Zentrum. Im Canadian Brewhouse gab es richtig gute Burger und leckeres Bier – perfekter Tagesabschluss.

Lake Minnewanka, Banff & Bow Falls

Am nächsten Morgen ging es zum Lake Minnewanka. Zusammen mit einer riesigen indischen Familie starteten wir zu einer etwa 1,5-stündigen Bootsfahrt über den See. Wieder traumhafte Natur: türkisblaues Wasser, bewaldete Ufer und Berge rundherum. Wir machten gefühlt tausende Fotos.

Danach spazierten wir noch etwas am Ufer entlang und beobachteten Hörnchen, die dreist versuchten, Essen aus Taschen zu klauen.

Zurück in Banff aßen wir erneut im Brewhouse zu Mittag, besuchten den kleinen botanischen Felsgarten, liefen am Bow River entlang und schauten uns später die Bow Falls an. Natürlich nicht so spektakulär wie die Niagarafälle, aber trotzdem sehr schön gelegen.

Zum Abschluss fuhren wir noch zum Mount Norquay Lookout, von dem man einen tollen Blick über Banff und das Tal hat.

Johnston Canyon & die Ink Pots

Am nächsten Tag klingelte der Wecker früh. Ziel war der Johnston Canyon – eine der beliebtesten Wanderungen im Banff National Park. Entsprechend schnell sind dort die Parkplätze voll.

Als wir kurz vor acht ankamen, war schon viel los, aber wir fanden noch eine Lücke. Mit Proviant und Bärenspray ging es los.

Der Weg führt durch eine enge Schlucht, oft über Stahlstege direkt über dem Wasser. Zuerst zu den Lower Falls, wo wir fast eine halbe Stunde anstanden, um durch eine kleine Höhle zum Fotopunkt zu gelangen. Danach weiter zu den Upper Falls.

Die meisten drehen dort um – wir liefen weiter zu den Ink Pots. Der Weg wurde ruhiger, führte durch Wald und bergauf auf eine Hochebene. Dort warteten die farbenprächtigen Quelltöpfe. Kaum Leute, tolle Bergkulisse – perfekt für eine kleine Pause. Für uns definitiv der schönste Teil der Wanderung.

Zurück ging es dann wieder durch immer mehr Menschenmassen. Anstrengend, aber ein echtes Highlight.

Abends fuhren wir noch ins Skigebiet Sunshine Village, in der Hoffnung auf Wildlife. Bären oder Elche sahen wir zwar nicht, dafür Dickhornschafe und eine seltene Mountain Goat – immerhin!

Marble Canyon, Paint Pots & weiter nach Lake Louise

Am nächsten Tag mussten wir wieder alles ins Auto laden, denn ein Unterkunftswechsel stand an. Bevor wir jedoch weiter nach Lake Louise fuhren, wollten wir noch ein paar Stopps entlang der Strecke einlegen.

Unser erstes Ziel war der Marble Canyon, der bereits im Kootenay National Park liegt. Viele merken gar nicht, dass man hier schon die Provinzgrenze von Alberta nach British Columbia überquert hat.

Die kurze Wanderung dort unterschied sich deutlich vom Johnston Canyon am Vortag. Statt direkt durch die Schlucht zu laufen, geht man hier oberhalb des Canyons entlang und überquert ihn immer wieder über kleine Holz- und Metallbrücken. Von oben blickt man in die schmale, tief eingeschnittene Schlucht mit ihrem türkisfarbenen Wasser – wirklich beeindruckend.
Allerdings gab es kaum Schatten, und in der direkten Sonne wurde es schnell ziemlich heiß.

Anschließend fuhren wir ein kleines Stück weiter zu den Paint Pots.
Vom Parkplatz aus liefen wir zunächst durch ein Waldstück bis zum Kootenay River, überquerten den Fluss auf einer Brücke und wanderten dann über Holzstege durch ein Moorgebiet. Unterwegs entdeckten wir sogar frische Bärenspuren im Schlamm – ein kleiner Reminder, warum das Bärenspray im Rucksack keine schlechte Idee war.

Die Paint Pots selbst sind kleine, eisenhaltige Mineralquellen, die den Boden orange-rot färben. Früher wurde hier tatsächlich Ockerfarbe abgebaut. Ganz so farbenfroh wie die Ink Pots am Johnston Canyon waren sie zwar nicht, aber trotzdem ein netter, kurzer Spaziergang in schöner Natur.

Danach ging es wieder zurück Richtung Banff. Kurz hielten wir noch am „Grenzübergang“ zwischen Alberta und British Columbia – eigentlich nur ein Schild, aber irgendwie trotzdem witzig für ein Foto.

Statt den schnellen Trans-Canada-Highway zu nehmen, fuhren wir über den deutlich ruhigeren Bow Valley Parkway. Die Straße schlängelt sich gemütlich durch Wälder und ist viel landschaftlich schöner. Außerdem hat man hier deutlich bessere Chancen, Tiere zu sehen.

Schließlich erreichten wir Lake Louise, den wohl bekanntesten Wintersport- und Urlaubsort der kanadischen Rockies. Für zwei Nächte hatten wir das Lake Louise Inn gebucht. Mit rund 350 Euro pro Nacht für ein Drei-Sterne-Hotel zwar schmerzhaft teuer, aber im Vergleich zu anderen Unterkünften vor Ort tatsächlich noch akzeptabel. Dafür war das Zimmer groß, es gab einen Pool und man war mitten im kleinen Ort.

Die beiden Highlights hier sind der Moraine Lake und der Lake Louise. Beide sind wegen ihrer Gletscherpartikel im Wasser intensiv türkisblau und gehören zu den meistfotografierten Orten Kanadas.

Für den Lake Louise nutzten wir am Abend aber einen kleinen Trick: Ab 19 Uhr ist das Parken kostenlos. Die meisten Tagesgäste sind dann schon weg oder beim Abendessen, und so hat man deutlich mehr Ruhe. Genau das machten wir auch.

Als wir ankamen, war es angenehm leer. Die Sonne war bereits hinter den Bergen verschwunden, das Licht weich und fast schon mystisch. Der See lag ruhig vor uns, das Wasser schimmerte immer noch leicht türkis, und die umliegenden Gipfel spiegelten sich darin. Keine Menschenmassen, kein Gedränge – fast schon eine private Stimmung. Uns gefiel das sogar besser als zur klassischen Mittagszeit.

Wir spazierten entspannt am Ufer entlang, machten ein paar Fotos und genossen einfach die Ruhe nach dem doch recht aktiven Tag.

Später gingen wir zurück in den Ort und kehrten im Bill Peyto’s Cafe zum Abendessen ein. Dort war es überraschend voll – wir mussten etwa eine halbe Stunde auf einen Tisch warten – aber das Essen war wirklich gut und für die Gegend sogar relativ günstig. Genau das Richtige nach einem langen Tag draußen.

Moraine Lake & Lake Louise

Am nächsten Tag standen für uns dann beide Seen auf dem Programm. Wie schon erwähnt, kann man dort nicht einfach mit dem Auto hinfahren. Zum Moraine Lake ist die Zufahrtsstraße inzwischen komplett für Privatfahrzeuge gesperrt, und auch am Lake Louise gibt es nur sehr wenige und dazu noch teure Parkplätze.

Dafür gibt es Shuttlebusse ab dem Lake Louise Ski Resort, die von Parks Canada organisiert werden. Diese Tickets muss man allerdings sehr früh im Voraus buchen. Die Plätze werden meist schon im April freigeschaltet – und sind oft innerhalb weniger Stunden oder Tage ausverkauft. Zum Glück hatten wir rechtzeitig daran gedacht und konnten uns zwei Plätze zu einer guten Uhrzeit sichern (je 8 C$).

Im Ticket enthalten ist die Fahrt zum Moraine Lake, weiter zum Lake Louise und anschließend zurück – die Rückfahrtzeit ist flexibel, man steigt einfach in den nächsten Bus ein. Alternativ gibt es auch Shuttlebusse ab Banff oder private Touranbieter, die sind allerdings deutlich teurer.

Wir fuhren also mit dem Shuttle zuerst zum Moraine Lake und standen schließlich gegen halb zehn am Ufer des unglaublich türkisblauen Wassers. Dahinter ragten die zerklüfteten Gipfel des „Valley of the Ten Peaks“ auf – ein Anblick wie aus einem Kalender. Kein Wunder, dass dieser Ort als einer der schönsten Seen Kanadas gilt.

Direkt vom Parkplatz aus liefen wir zunächst ein gutes Stück am Ufer entlang. Je weiter man sich vom Einstieg entfernt, desto ruhiger wird es, und man kann die Landschaft viel entspannter genießen. Das Wasser schimmerte je nach Lichteinfall von Türkis bis Smaragdgrün, und überall spiegelten sich die Berge.

Anschließend machten wir noch die kleine Wanderung auf den Rockpile Trail, einen kurzen, aber leicht steilen Pfad auf einen Geröllhügel am Anfang des Sees. Der Weg dauert nur etwa 10–15 Minuten, lohnt sich aber absolut: Von oben hat man den klassischen Postkartenblick über den gesamten See. Genau dieses Motiv war früher sogar auf dem kanadischen 20-Dollar-Schein zu sehen. Hier war entsprechend am meisten los, aber für die Aussicht nimmt man das gern in Kauf.

Einzig hunderttausende kleine Insekten schwirrten durch die Luft. Anscheinend leben sie nur einen Tag, denn auf dem Rückweg lagen viele davon schon auf der Wasseroberfläche.

Wir verbrachten insgesamt ziemlich viel Zeit am See, machten unzählige Fotos und genossen einfach die Landschaft, bevor wir später mit dem nächsten Shuttle weiter zum Lake Louise fuhren.

Dort war dann deutlich mehr los, aber je weiter wir am Ufer entlangliefen, desto ruhiger wurde es. Am Ende trafen wir sogar eine Gruppe Reiter. Boote kann man auch mieten – für 350 Dollar pro Stunde. Wir haben dankend verzichtet.

Abends aßen wir im Railway Station Restaurant und ließen den Tag entspannt ausklingen.

Zurück im Hotel hieß es dann wieder: Koffer packen – das nächste Abenteuer wartete schon.

Hier geht es zur Übersicht der Kanada Tour!